CD - Kritik im Coburger Tagblatt

                  Bei den Neujahrskonzerten in Stuttgart, Bayreuth und Coburg durch Ralph Kullings
                  "Alt-Wiener-Strauß-Ensemble" war das Schaffen von Johann Strauß Vater in den
                  Vordergrund gerückt worden (TAGEBLATT vom 8. Januar). Schließlich feiert die
                  Musikwelt am 14. März den 200. Geburtstag des Begründers der Strauß-Dynastie,
                  der in einer Bierkneipe geboren, früh verwaist und nach einer Buchbinderlehre zum
                  Herrscher über die Tanzsäle Wiens aufstieg und dessen Walzer ganz Europa
                  eroberten.

                  Mit der jetzt vorgelegten CD "Tanz-Signale", auf der die
                  Vater-Strauß-Werke eingespielt sind, leisten die Alt-Wiener einen
                  gewichtigen Beitrag zur Rezeption über den ersten Walzerkönig,
                  stammen sie doch aus den verschiedensten Schaffensperioden.
                  Neben den Feldherren Radetzky und Jellacic gewidmeten Märschen
                  umfasst die Einspielung drei Walzer, vier Galoppe, drei Polkas und eine
                  Quadrille sowie als Krönung der Kunstform im Dreivierteltakt, den
                  "Kaiserwalzer" von Johann Strauß Sohn. In der Wiedergabe bestechen
                  die Stuttgarter Alt-Wiener durch technische Brillanz, Präzision und
                  Euphonie, klangliche Balance zwischen den sechs Streichern und den
                  ebenso vielen Bläsern sowie durch das straußisch-wienerische Gestalten
                  der von Arthur Kulling maßgeschneiderten Arrangements, die oft nach
                  spärlich vorhandenem Notenmaterial entstanden. Durch die agogischen
                  Modifikationen gelingt es Ralph Kulling, manche Piecen vom Tanz- in den
                  Konzertsaal zu verlegen.

                  Durch Titel und Zitate hat Strauß Vater seine Verehrung für manche
                  Zeitgenossen zum Ausdruck gebracht: "Im "Furioso-Galop" für Franz
                  Liszt, "Ballnacht-Galopp" (D.F.E. Auber), "Schwedische Lieder" (Jenny
                  Lind), "Quadrille im militärischen Style" (Konradin Kreutzer).

                  Neben dem titelgebenden Walzer "Tanz-Signale" erklingen noch der
                  Walzer "Die vier Temperamente", in dem Sanguiniker, Melancholiker,
                  Choleriker und Phlegmatiker musikalisch beschrieben werden, die
                  biedermeierlich anmutenden Polkas "Beliebte Kathinka-", "Salon-" und
                  "Exeter-Polka" und die Orchesterparadestücke "Chineser Galoppe" und
                  "Jugendfeuer-Galopp".

                  Die informativen Texte im Booklet, die dreisprachig abgefasst sind,
                  stammen aus der kundigen Feder von Arthur Kulling, dem Gründer und
                  langjährigen Leiter des "Alt-Wiener-Strauß-Ensembles".

                  Hans Höfer

                  Alt-Wiener-Strauß-Ensemble: "Tanz-Signale". Jubiläums-CD zum 200.
                  Geburtstag von Johann Strauß Vater (Edition HERA 02007).