Ostsee -Zeitung, 2. Juli 2004
 
Ausnahmekünstlerin verzauberte mit Orgelspiel in St. Nikolai
  
Wismar  
Wer glaubt, die große Zeit der Orgel läge ein paar Jahrhunderte zurück, der hat Iveta Apkalna noch nicht erlebt. Die 27-jährige Lettin konzertierte am Mittwochabend in der Nikolaikirche in Wismar und verzauberte die Besucher mit sinnlichen, meditativen, aber auch temperamentvollen Klängen. Mit den vorgestellten Werken, u. a. vom lettischen Komponisten Vasks, von Brahms, Bach und dem letzten Bachschüler Müthel, der seine erste Anstellung als Organist in Schwerin bekam und später vor allem in Riga wirkte, bewies die junge Baltin ihr nordisches Gemüt. Seit Montag saß sie an der Mende-Orgel von 1845 und wählte frühromantische und barocke Werke, die zum Gerät und zur Kirche passten. Und so entlockte sie dem Kircheninstrument wunderbare energiegeladene und sehr emotionale Klänge, die durch die Akustik in St. Nikolai fantastisch mystisch wirkten, fast so, als ob alle Stücke eigens für diese Orgel komponiert wären.  

Als sich die Organistin nach dem Konzert für den großen Beifall bedankte, sah man das Publikum verwundert: blond, jung, umwerfend hübsch, das passte nicht zu dem Paradigma der verstaubten Kirchenorgel. Dabei zelebriert Iveta das Instrument schon fast provozierend. "Ich habe während des Konzerts den Geruch dieser alten Orgel genossen, weil er mich an die Kirchenorgel in meiner Heimatstadt Rezekne erinnert", schwärmte sie und verrät, dass sie sich in ihren besonderen Klang verliebt hätte.  

Das musische Talent bekam Iveta Apkalna in die Wiege gelegt. Ihre Mutter lehrte das Spiel am Klavier und auch ihr Großvater und Urgroßvater waren bekannte lettische Organisten. Schon mit fünf Jahren saß die Musikerin am Klavier, mit neun Jahren gab sie ihr erstes Orchesterkonzert. Seitdem tourt die Ausnahmekünstlerin mit ihrem faszinierenden modernen Programm durch die Welt und eröffnet mit ihrem Charme eine ganz neue Orgel-Epoche.  

Ihren größten Fan fand die selbstbewusste Frau jedoch nicht im Publikum, sondern neben ihr an der Orgel. Ihr Teddybär Florian begleitet sie durch das Konzertjahr, ist wie ein vertrautes Stück lettische Heimat, die sie nur selten genießen kann, denn neben Auftritten in ihrem Heimatland gibt sie regelmäßig Gastspiele in der Schweiz, in Österreich, Frankreich, Belgien, England, Finnland oder Kanada. Bei verschiedenen internationalen Wettbewerben erhielt Iveta Auszeichnungen, Preise und Sonderstipendien. Als Krönung ihrer bisherigen außergewöhnlichen Leistungen bekam sie im März sogar den Grand Latvian Music Award, die höchste und begehrteste Auszeichnung im lettischen Musikbereich. 

M. PAGELS
     
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