Mit ihren nicht einmal 30 Jahren kann die diesjährige ECHO-Klassik Preisträgerin Iveta Apkalna, von den Medien als „Orgelwunder aus Lettland“ bezeichnet, auf eine erstaunliche Karriere zurückblicken. Sie blieb eine Persönlichkeit ohne jegliche Starallüren. Dass sie nicht nur brillant ihr Instrument beherrscht, von einem temperamentvollen wie gediegen zurückhaltenden musikantischen Ehrgeiz erfüllt, darüber hinaus sogar noch gut aussieht, zeigte die Begegnung mit der charmanten Künstlerin bei ihrem außergewöhnlichen Konzert auf der Winterhalter-Orgel der Grafenrheinfelder Pfarrkirche. Dem zahlreichen Publikum bot sie ein teils hochvirtuoses teils besinnliches Programm dar, dessen Besonderheiten und Schwierigkeiten sich möglicherweise nur dem fundierten Orgelliebhaber ganz erschlossen hatten. Die Werkauswahl verzichtete auf gängige „Ohrwürmer“ und billige Effekthascherei. Die Organistin wusste sich dem sakralen Raum verpflichtet und streute mit Peteris Vasks’ „Te Deum,“, Henri Mulets „Tu es petra“ und Thierry Escaichs „Evocation 2“ Kompositionen bei, die ein willkommenes Gegengewicht zu den weltlichen, rein konzertanten Beiträgen darstellten. Das Konzept ihrer intelligenten Programmfolge ging mit Bachs Triosonate c-Moll BWV 526 im Mittelpunkt, umrahmt von Camille Saint-Saens’ „Danse macabre“ und dem „Marche héroique“, überzeugend auf. Der Reiz dieses Konzertes lag überwiegend in der Vorstellung meist unbekannter Werke, zu denen auch Naji Hakims Orgelfantasie über Themen von Bach zählte. Man wähnte sich darin einem musikalischen Quiz gegenüber, das den Bachkenner zur Entdeckung versteckter Bach-Themen anspornte. Ein virtuoses Stück mit teilweise verhunzten Zitaten, verfremdeten Klängen, bruchstückhaften Elementen, die bei aller zugestandenen Modernität weniger das Herz als brillante Spielmanieren anregten. Die junge Dame aus Riga, die auch als Model mit ihrer aparten Erscheinung auf CD-Covers nicht geizt, zeigte sich auch technisch als attraktive und musikalisch feinsinnige Interpretin. Dass sie neben den schwierigen mechanischen Anforderungen auch ihr eigenes interpretatorisches Profil bedeutend ins rechte Licht rückte, diese Eindrücke ergänzten sich mit den klanglichen Feinheiten, die Iveta Apkalna aus der prächtigen Winterhalter-Orgel herauszuzaubern vermochte.
Präzision und rhythmische Geschmeidigkeit, ausgehend von einem federnden Metrum bei Bach bis hin zum strammen motorischen Duktus bei Escaich oder zu den beiden Tänzen von Saint-Saens, und ihr feinsinniges Experimentieren mit den verschiedenen Klangfarben des Instrumentes, dies alles verschaffte eine Konzertatmosphäre, von der sich das begeisterte Publikum spontan mitreißen ließ.