Bremen. Das Musikfest
ist seit seiner Gründung vor sechzehn Jahren das Schwellenereignis
des Bremer Kulturkalenders geworden. Nach der Sommerpause läutete
die Große Nachtmusik am Sonnabend wieder die neue Saison ein...
...
Iveta Apkalna, der
neue Stern am Orgelvirtuosenhimmel, versteht sich als Teil einer neuen
Generation, die „frischen Wind in die Orgelszene bringen „ will. Und genau
das konnte man bei ihrem Konzert im Bremer Dom nachvollziehen. Ihre neuste
CD „Himmel und Hölle“ fungierte zugleich als Namensgeber für
ihre drei Auftritte.
Apkalnas Recital
interessierte vor allem durch den großen Anteil von spätromantischen
und modernen Kompositionen bzw. Transkriptionen, die man selten live zu
hören bekommt. Die bestechend durchsichtigen , virtuosen, plastischen
Darstellungen von Camille Saint–Saens „Marche héroique“ (Transkritption
Alexandre Guilmant) und Franz Liszts 2. Legende „der heilige Franziskus
von Paula auf den Wogen schreitend“ (Transkription Max Reger) ließen
jeden Zweifel schwinden. In Apkalnas müheloser Rhetorik wurden auch
geräuschhafte Anteile zu überzeugenden Momenten einer überlegenen,
geklärten Dramaturgie. Strukturen wurden klar ausgeleuchtet, dem spätromantischen
Klangnebel wurde durch eine bewundernswerte Präzision entegegengewirkt.
Iveta Apkalna bewältigte auch scheinbar mühelos die verschiedenen
Anforderungen der Werke von Johann Sebastian Bach und Naji Hakim.
Für kundige Insider hier das gesamte von Iveta Apkalna in dieser Nacht präsentierte Programm zu drei Teilen à ca. 45 Minuten:
Teil 1 beginnend
19.30h:
C. Saint–Saens,
„Marche Héroique“ – Hakim, „giocosa“ und „alla russa“ aus
„Quatre Etudes caprices“ für Pedal solo – Bach, Toccata, Adagio &
Fuge C–Dur BWV 546 – Liszt, 2. Legende „Der heilige Franziskus auf den
Wogen schreitend“ Tr. Max Reger
Teil 2 beginnend
21.00h:
Eben, „Walpurgisnacht“
– Einfelde (Lettland), „Ave Maria“ – Prokofiev, „Marsch“ aus „Die
Liebe zu den drei Orangen“, Tr. Guillou & Prélude C–Dur op.12
– Escaich, „Evocation 2“ – Kalejs (Lettland), „Toccata über den Choral
Allein Gott in der Höh´ sei Ehre“ – Thalben–Ball, „Variationen
über ein Thema von Paganini“ für Pedal solo
Teil 3 beginnend
22.30h:
Bach, Toccata &
Fuge d–moll, BWV 565 – Liszt, 1. Legende „Vogelpredigt“ – Reger, Choralfantasie
„Halleluja, Gott zu loben“ op. 52,3
Zwischen Teil 2 und 3 gab Iveta Apkalna sprühend charmant und bestens gelaunt noch ein Live–Interview auf der Radiobühne des Bremer Marktplatzes für das Deutschlandradio, begleitet vom begeisterten Applaus der dort anwesenden Menschenmenge.