Weserkurier, Montag, 5. September 2005
Grosse Nachtmusik als starker Auftakt


Einige Hörproben mit Minkowski, Apkalna, Kashkashian, dem Consort Spirituel und Banda Mantiqueira

Bremen. Das Musikfest ist seit seiner Gründung vor sechzehn Jahren das Schwellenereignis des Bremer Kulturkalenders geworden. Nach der Sommerpause läutete die Große Nachtmusik am Sonnabend wieder die neue Saison ein...
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Iveta Apkalna, der neue Stern am Orgelvirtuosenhimmel, versteht sich als Teil einer neuen Generation, die „frischen Wind in die Orgelszene bringen „ will. Und genau das konnte man bei ihrem Konzert im Bremer Dom nachvollziehen. Ihre neuste CD „Himmel und Hölle“ fungierte zugleich als Namensgeber für ihre drei Auftritte.
Apkalnas Recital interessierte vor allem durch den großen Anteil von spätromantischen und modernen Kompositionen bzw. Transkriptionen, die man selten live zu hören bekommt. Die bestechend durchsichtigen , virtuosen, plastischen Darstellungen von Camille Saint–Saens „Marche héroique“ (Transkritption Alexandre Guilmant) und Franz Liszts 2. Legende „der heilige Franziskus von Paula auf den Wogen schreitend“ (Transkription Max Reger) ließen jeden Zweifel schwinden. In Apkalnas müheloser Rhetorik wurden auch geräuschhafte Anteile zu überzeugenden Momenten einer überlegenen, geklärten Dramaturgie. Strukturen wurden klar ausgeleuchtet, dem spätromantischen Klangnebel wurde durch eine bewundernswerte Präzision entegegengewirkt. Iveta Apkalna bewältigte auch scheinbar mühelos die verschiedenen Anforderungen der Werke von Johann Sebastian Bach und Naji Hakim.

Für kundige Insider hier das gesamte von Iveta Apkalna in dieser Nacht präsentierte Programm zu drei Teilen à ca. 45 Minuten:

Teil 1 beginnend 19.30h:
C. Saint–Saens, „Marche Héroique“ –  Hakim, „giocosa“ und „alla russa“ aus „Quatre Etudes caprices“ für Pedal solo – Bach, Toccata, Adagio & Fuge C–Dur BWV 546 – Liszt, 2. Legende „Der heilige Franziskus auf den Wogen schreitend“ Tr. Max Reger

Teil 2 beginnend 21.00h:
Eben, „Walpurgisnacht“ – Einfelde (Lettland), „Ave Maria“ –  Prokofiev, „Marsch“ aus „Die Liebe zu den drei Orangen“, Tr. Guillou & Prélude C–Dur op.12 – Escaich, „Evocation 2“ – Kalejs (Lettland), „Toccata über den Choral Allein Gott in der Höh´ sei Ehre“ – Thalben–Ball, „Variationen über ein Thema von Paganini“ für Pedal solo

Teil 3 beginnend 22.30h:
Bach, Toccata & Fuge d–moll, BWV 565 – Liszt, 1. Legende „Vogelpredigt“ – Reger, Choralfantasie „Halleluja, Gott zu loben“ op. 52,3

Zwischen Teil 2 und 3 gab Iveta Apkalna sprühend charmant und bestens gelaunt noch ein Live–Interview auf der Radiobühne des Bremer Marktplatzes für das Deutschlandradio, begleitet vom begeisterten Applaus der dort anwesenden Menschenmenge.