| Leonberger Kreiszeitung (vom 5.Januar ´99)
Das Strauß-Gedenkjahr eindrucksvoll eröffnet
Abwechslungsreiches Neujahrskonzert Mit dem Alt-Wiener
Strauß-Ensemble in der Korntaler Stadthalle
KORNTAL-MÜNCHINGEN - Das Jahr 1999 steht
im Zeichen unglaublich vieler Jubiläumsfeierlichkeiten, die auch kulturelles
Terrain betreffen.
So wird nicht nur der 250. Geburtstag Johann Wolfang von
Goethes zelebriert, sondern auch des 150. und 100. Todestages von Johann
Strauß Vater und Sohn gedacht. Und Moderator Wolfgang Höper
stellte beim Neujahrskonzert am Samstag in
Korntal noch mehr Jubilare in den Mittelpunkt.
Denn auch Erich Kästner feiert schon seinen 100.
Geburtstag.
Das bestens disponierte Alt-Wiener Strauß-Ensemble
unter der inspirierenden Leitung von Arthur Kulling spielte nicht nur "Perpetuum-mobile"
mit famosem Esprit, sondern auch die Sperl-Polka op.133, den Sperl-Galopp
op.42, den Fortuna-Galopp op. 69 oder die gewitzte "Pieike und Pufke-Polka
op. 325 (Johann Strauß Vater) mit soviel Verve und Schmiß,
daß es die Zuhörer kaum. auf den Sitzen hielt. Sie waren sofort
in Sektlaune und wollten mittanzen.
Für ungarisches Pußta-Feuer sorgten die drei
vorzüglichen Gesangssolisten Isy Oren (Sopran), Alexander Stachowiak
(Tenor) und Michael Ebbecke (Bariton) - Sänger, die zum Teil an der
Stuttgarter Staatsoper engagiert sind.
Bei der als Zugabe dargebotenen Galopp-Nummer "Im Feuerstrom
der Reben" aus der "Fledermaus" von Johann Strauß bestach das Trio
mit vokaler Geschmeidigkeit, Strahlkraft und leuchtenden Spitzentönen.
Der köstliche Michael Ebbekke ließ bei der
Arie "Ja, das Schreiben und das Lesen" die Elemente der Offenbachiade im
Straußschen Zigeunerbaronn aufblitzen Isy Oren verlieh dem spritzigen
Csardas der Sylvia aus Emmerich Kallmans musikdramatisch gelungener Operette
"Die Csardasfürstin" vokalen Glanz.
Der jähe Wechsel von Langsam zu Schnell, von Moll
zu Dur wurde sehr gut getroffen.
Und auch Alexander Stachowiak überzeugte das Publikum
in der höhensicher und nicht gekünstelt dargebotenen Arie "Freunde,
das Leben ist lebenswert" aus Franz Lehars satzkünstlerisch virtuoser
Operette "Giuditta".
Das Alt-Wiener Strauß-Ensemble verdeutlichte in
dieser berühmten Arie des Hauptmanns Octavio die triolen- und synkopenreiche
Melodik dieser Komposition.
Ähnliches läßt sich vom Duett "Niemand
liebt dich so wie ich" aus Lehars Operette. "Paganini" mit Isy Oren sagen.
Die Klangfinessen eines Wagner, Strauss und Puccini waren
auch hier trotz der kammermusikalischen Besetzung deutlich
herauszuhören, was für das Ensemble und seinen
sensiblen Dirigenten spricht .
Das fein herausgefilterte Accelerando des von tenchnischen
Errungenschaften geprägten "Accelerationen-Walzers" op 23 von
Johann Strauß Sohn leitete geschickt zum zweiten Teil dieses ansprechenden
Neujahrskonzerts über der mit dem "Marsch des einigen Deutschlands"
op 227 (Johann Strauß Vater) wurde schließlich sorgte der weltberühmte
"Radetzky-Marsch" für ausgelassene Stimmung.
Und mit der Schnellpolka "Auf und davon" des Eduard Strauß
wurde das Publikum in der ausverkauften Stadthalle Korntal endgültig
verabschiedet.
Begeisterter Schlußapplaus und Rosen belohnten
das Ensemble.
l
von Alexander Walther
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