| Mitglieder des Stuttgarter Staatsorchesters mit Neujahrskonzert
im Großen Haus
Die "Electrischen Funken'' der Teufelsgeiger
Stuttgart hat mit Wien eines gemein: Hier wie dort begeht
man den
Schritt in ein neues Jahr mit einem Neujahrskonzert.
Und hier wie dort sind es die Walzer der österreichischen Musikerfamilie
Strauß, mit denen man dem neuen Jahr seinen Gruß entrichtet.
Im ausverkauften Großen Haus ließ das Alt-Wiener Strauß-Ensemble
(allesamt Mitglieder des Staatsorchesters Stuttgart) mit einigen Walzerfolgen
ahnen, wie die Gesellschaft im Wien des 19. Jahrhunderts zu leben verstand.
Ausgesucht hatte man vor allem Walzer, die mit ihren
Titeln die Faszination des damaligen technischen Fortschritts widerspiegelten:
die Schnellpolka "Electrofor'' op. 297 und die "Electro-magnetische Polka''
op. 110 des "Walzerkönigs'' Johann, die "Electrischen Funken'' op.
125 des Vaters Johann, und Eduard Strauß' Schnellpolka "Electrisch''.
Und der "Vorgeiger'' Arthur Kulling hatte sein Ensemble
dabei bestens im Griff, das zündete, dass die Funken nur so stieben.
Doch auch solistisch hatte man einiges aufzubieten. Da
sei zunächst die Sopranistin Gundula Peyerl genannt, die für
das Couplet der Adele "Spiel ich die Unschuld vom Lande'' aus Johann Strauß'
"Fledermaus'' nicht nur die richtige Stimme mitbrachte, sondern mit ihrer
Präsenz auch mühelos die zugehörige Bühne suggerierte.
Im instrumentalen Bereich waren es Jan Pas (Violoncello),
der sich in Johann Strauß' Cello-Romanze op. 243 so recht in eine
verträumt-sangliche Linienführung zu versenken verstand, aber
auch Michael Jelden und Ralph Kulling (Violinen), die demgegenüber
in dem technisch vertrackten spanischen Tanz "Navarra'' von Pablo de Sarasate
wie wahre Teufelsgeiger brillierten.
Mit sprühendem Elan widmete sich Joseph Singer (Flöte)
Benjamin Godards "Valse'' aus der "Suite de trois morceaux'', und ein weites
tonliches Spektrum brachte Simon Löffelmann (Klarinette) in dem von
Arthur Kulling geschickt arrangierten "Rondo'' aus Carl Maria von Webers
Klarinettenquintett op. 34 ein.
Und zwischen all dem fühlten sich die Zuhörer
nicht zuletzt auch durch die ernst-scherzhafte, launige Moderation des
Stuttgarter Staatsschauspielers Wolfgang Höper bestens unterhalten.
Thomas Bopp
Stuttgarter Nachrichten vom 4.1.2000
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