zurück  Stuttgarter Wochenblatt (vom7.1.99) 

Neujahrskonzert mit dem  Alt-Wiener Strauß-Ensemble 

Das Gedenken an zwei Komponisten und zwei Schriftsteller bestimmte das Programm des jüngsten der schon Tradition gewordenen Neujahrskonzerte im großen Haus der Staatstheater Stuttgart. 
1972 vom damaligen Konzertmeister des Staatsorchesters gegründet, bestritt heuer das Alt-Wiener Strauß-Ensemble nun schon zum 19.Mal das erste Konzert in der Staatsoper im neuen Jahr.  

Und wieder leitete Arthur Kulling, der Gründer des inzwischen im In und Ausland, durch Funk- und Fernsehproduktionen, aber auch durch Schallplatten und CD-Aufnahmen bekannten Ensembles, die rund zweistündige Aufführung. 
Durchs Programm führte Staatsschauspieler Wolfgang Höper, der Historisches zu den einzelnen Werken erzählte, der als ,,1iterarisch-musikalischer Wegbegleiter", wie er sich selbst nannte, aber auch Gereimtes und Prosa zum besten gab.  
Und dabei erinnerte er bereits zum Auftakt, mit einem Neujahrs-Gedicht, an einen, dessen 250. Geburtstag man 1999 feiert, an Johann Wolfgang von Goethe, der am 28. August 1749 in Frankfurt am Main zur Welt kam und der sich später mit dem Stand der Gestirne in seiner Geburtsstunde auseinandersetzte.  

Waren es im literarischen Bereich zwei Geburtstage, die die Texte bestimmten, so waren es im musikalischen zwei Todestage, die die Auswahl der Kompositionen prägten. Am 3. Juni1999 sind 100 Jahre vergangen, seit Johann Strauß, der Walzerkönig, in Wien gestorben ist, am 25. September 1849, also SO Jahre vor ihm, ist sein Vater, der als Johann Strauß Vater in die Musikgeschichte eingegangen ist, ebenfalls in Wien, dem Geburtsort der beiden, gestorben.  
So hörte man zum Auftakt die Ouvertüre zur Operette "Die Fledermaus", die am 5.April 1874 - also wieder ein Gedenktag, nämlich vor 125 Jahren - im Wiener Theater an der Wien uraufgeführt wurde und heute noch immer das erfolgreichsten  
Werk des Genres ist.  

Als Abschluß des offiziellen Teils, vor einigen Zugaben, erklang der Walzer "Sommernachtsträume", op.180 des Vaters, gespielt von einem Orchester, in der Besetzung zwei Violinen, eine Viola, ein Violoncello, ein Kontrabaß, eine Flöte, eine Oboe, eine Klarinette, ein Fagott, zwei Hörner, geleitet von einem Stehgeiger, dem das Orchester Vorbild war, mit dem Johann  
Strauß 1844 im Casino Dommayer in Hietzing seine Karriere begann.  
Dazwischen hörte man Strauß-Melodien, vom Vater und vom Sohn, aber auch solche von Franz Lehar und Emmerich Kalman, den Meistern der sogenannten " silbernen Operetten".  
Locker und leicht, spielerisch und tänzerisch, den Vorlagen angemessen. 

Mit operettenseligem Stimmenglanz, interpretierten die Sopranistin Isy Oren und der Tenor Alexander M. Stachowiak die Lieder und Duette. Dagegen sang Kammersänger Michael Ebbecke mit baritonaler Opernstimme, und das, abgesehen von  
der gemeinsamen Zugabe, dem "Fledermaus" -Galopp "Im Feuerstrom der Reben", auch noch vom Blatt.  
Johann Strauß Vater war mit der Sperl-Polka, op.133, mit dem Fortuna-Galopp, op. 69, mit dem "Marsch des einigen Deutschlands", op.227, mit dem Sperl-Galopp, op. 42 und mit der "Piefke und Pufke"-Polka, op.32S,  
vertreten. Selbstverständlich durfte auch in der Staatsoper Stuttgart - wie beim  
berühmten Neujahrskonzert im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins - als Zugabe  
der zum Mitklatschen anregende Radetzky-Marsch nicht fehlen. 

Dieter Schnabel