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Wie elektrische Funken 
Neujahrskonzert des Alt-Wiener Strauss-Ensembles 

Von Otto Bantel 

Der Name des in historischer Strauss-Besetzung spielenden Ensembles besagt nicht, dass sich sein Programm auf Johann oder die anderen Mitglieder der Strauss-Familie beschränken müsse.  Und so gab es bei diesem Neujahrskonzert im voll besetzten Großen Haus einige musikalische Seitensprünge, die vorwiegend der solistischen Profilierung der Ensemblemitglieder dienen sollten.  Nachdem der allseits beschlagene und komödiantisch agierende Moderator Wolfgang Höper eine heitere Genealogie der Violine zum Besten gegeben hatte, jagten Michael Jelden und Ralph Kulling in einer geigerischen Verfolgungsjagd durch den "Navarra"-Tanz von Pablo de Sarasate, entlockte Joseph Singer der Flöte perlende Walzertöne von Godard, die in derselben virtuosen Eleganz von dem Klarinettisten Simon Löffelmann im Rondo aus dem Quintett von Carl Maria von Weber aufgenommen und weitergeführt wurden. 
Mit der für Johann Strauss untypischen Romanze brachte Jan Pas mit warmen Cellokantilenen das Ensemble auf den "richtigen" Strauss-Pfad.  Solistisches gab es auch vokal, mit glockenreinen Koloraturen demonstrierte die vielfach preisgekrönte junge Sopranistin Gundula Peyerl, wie man einen Kuss musikalisch darzustellen habe ("Il Baccio" von Luigi Arditi).  Und bei den beiden Couplets der Adele aus der Fledermaus' bewies sie, dass sie kein Stubenmädel, sondern eine Künstlerin ist.  Damit war man dann endgültig bei der Familie Strauss angelangt, deren Werke durch die eben entdeckte Elektrizität musikalisch zusammengebunden waren.  Die der Sache entsprechende Gattung war hier die Schnellpolka, deutlich gemacht an den Titeln "Elektroform", "Elektromagnetische Polka', Elektrische Funken' und Elektrisch" (und durch die physikalische Lektion von Wolfgang Höper). 
Mit den symphonisch eingeleiteten "Sphärenklängen" von Josef Strauss und dem Walzer "Künstlerleben" von Johann Strauss hob Arthur Kulling das von seiner Geige angeführte und animierte Alt-Wiener Strauss-Ensemble auf eine von der Kunst beherrschte geistige Ebene, der der Moderator durch ein Zitat Schillers aus dem Gedicht "Die Künstler" einen hohen Stellenwert zuwies. 

Stuttgarter Zeitung vom 4.1.2000